📝 Die Geschichte im Überblick

  • Kortikosteroide sind in der Medizin weit verbreitet, jedoch wird ihre Sicherheit schon lange kritisch diskutiert, während immer mehr Gefahren bekannt werden.
  • Die Kenntnis der Wirkungen endogener Kortikosteroide erklärt viele der häufig auftretenden Nebenwirkungen synthetischer Steroide, darunter Diabetes, Frakturen und Gewebeverlust.
  • Steroide stehen beispielhaft für eine häufige Kritik an der modernen Medizin: Die Behandlung von Symptomen statt der Ursachen kann zu deutlich schwerwiegenderen chronischen Gesundheitsproblemen führen.

Verfasst von A Midwestern Doctor, Gastautor

Zur Selbstregulation greift der Körper häufig auf Sensoren zurück, die eine Störung erkennen und anschließend ein Signal aussenden, das im Körper verstärkt wird, sodass ein Prozess in Gang gesetzt werden kann, der das auslösende Problem behebt. Zu den wichtigsten Signalen, die der Körper nutzt, gehören Hormone, da schon kleine Mengen dieser Moleküle ausreichen, um den inneren Zustand des Organismus erheblich zu verändern.

Die hypothalamisch-hypophysär-adrenale (HPA-)Achse ist das zentrale Stressreaktionssystem des Körpers. Sie setzt sich aus drei zentralen Bestandteilen zusammen: dem Hypothalamus und der Hypophyse im Gehirn sowie den Nebennieren oberhalb der Nieren. Wenn du Stress erlebst, setzt dein Hypothalamus das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) frei, das deine Hypophyse signalisiert, adrenokortikotropes Hormon (ACTH) auszuschütten.

ACTH gelangt anschließend über den Blutkreislauf zu den Nebennieren und veranlasst diese zur Freisetzung des Kortikosteroids Cortisol (dem wichtigsten Stresshormon des Körpers). Sobald die Cortisolwerte ausreichend angestiegen sind, bewirken sie im Gehirn eine Hemmung der CRH- und ACTH-Freisetzung, was eine negative Rückkopplung bildet und eine Überaktivierung der Stressreaktion verhindert. Cortisol erfüllt seinerseits einige zentrale Funktionen im Körper:

• Immunmodulation — Cortisol erhöht zunächst die akute Immunantwort auf Gefahren (Schutz des Körpers in Stresssituationen) und dämpft danach eine übermäßige Immunaktivität, um Autoimmunreaktionen zu vermeiden. Dies wird unter anderem durch die Hemmung entzündungsfördernder Zytokine (z. B. IL-1, IL-6) und die Drosselung der T-Zell-Aktivität vermittelt. Im Verlauf kommt es dadurch zu einer Immunsuppression, was erklärt, warum synthetische Kortikosteroide eine gängige Therapie bei Entzündungen und Autoimmunität darstellen.

Hinweis: Bei geringeren Dosen verläuft der Übergang von immunstimulierender zu immunsuppressiver Wirkung wesentlich langsamer, während er bei hohen Dosen beschleunigt abläuft (weshalb bei akuten, gefährlichen Autoimmun-Schüben hohe Steroid-Dosen verabreicht werden).

• Blutzucker - Bei niedrigem Blutzucker erhöht Cortisol diesen, indem es in der Leber die Glukoneogenese stimuliert, Aminosäuren (aus der Muskulatur) und Fettsäuren (aus dem Fettgewebe) für die Glukoseproduktion mobilisiert und die Insulinsensitivität in Geweben wie Muskel und Fettgewebe verringert. Erhöhte Cortisolwerte können Diabetes, abdominale Fettansammlung (Adipositas), Gewichtszunahme, Insulinresistenz und kardiovaskuläre Erkrankungen begünstigen.

• Bindegewebe — Cortisol fördert den Proteinkatabolismus (Abbau) in der Muskulatur, stellt dadurch Substrate für die Glukosesynthese bereit und hemmt die Kollagensynthese. Erhöhte Cortisolwerte sind mit Muskelatrophie, Knochenschwund (z. B. Osteoporose oder Osteonekrose), verzögerter Wundheilung (unter anderem durch Immunsuppression), Hautatrophie, erhöhter Hämatomneigung und purpurnen Striae assoziiert.

• Auflage — Cortisol erhöht den Blutdruck, indem es die Natrium- und Wasserretention steigert und die Blutgefäße für Adrenalin und Noradrenalin sensibilisiert. Dadurch kommt es zu Vasokonstriktion und einer gesteigerten Herzfrequenz, während zugleich die Gefäßendothelien geschädigt werden. Dies führt zu einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (z. B. korreliert ein Anstieg des morgendlichen Plasmakortisols um eine Standardabweichung mit einem um 18% erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse in der Zukunft).

• Kognition — Cortisol beeinflusst das Arousal, die Aufmerksamkeit und die Gedächtniskonsolidierung. Ein langfristiger Überschuss an Kortikosteroiden, unabhängig davon, ob er durch körpereigenes Cortisol oder synthetische Steroide bedingt ist, führt zu einer Beeinträchtigung der Hippokampusfunktion mit Gedächtnisdefiziten, erhöhter Schmerzempfindlichkeit, Konzentrationsstörungen, Heißhunger auf energiereiche Nahrung, Substanzmissbrauch und selten psychotischen Episoden.

• Funktionsstörung der HPA-Achse — Da die HPA-Achse über Cortisolspiegel gesteuert wird, führt eine chronisch erhöhte Konzentration natürlicher oder synthetischer Kortikosteroide zu einer Desensibilisierung, wodurch entweder eine überschießende Cortisolproduktion oder eine eingeschränkte Stressreaktionsfähigkeit entsteht.

Dadurch entstehen wiederum vielfältige Probleme, etwa solche im Zusammenhang mit chronisch erhöhtem Cortisol oder unterschiedlich starker Fatigue (z. B. wenn die Nebennieren Cortisol nicht mehr bedarfsgerecht sezernieren).

Hinweis: Ein überschüssiger Cortisolspiegel kann zudem weitere Effekte verursachen, darunter Elektrolytstörungen im Blut, Alkalose, Katarakte und Glaukom.

Daher vertreten viele die Auffassung, dass eine chronisch erhöhte Cortisolausschüttung und eine HPA-Achsen-Dysfunktion (z. B. durch chronischen Stress, schlechte Ernährung, Schlafmangel, Alkoholabhängigkeit, übermäßige Stimulanzien wie Koffein, soziale Isolation, Bewegungsmangel oder gestörte Tagesrhythmen) eine grundlegende Ursache von Krankheiten sein können (z. B. des in unserer Gesellschaft häufig auftretenden metabolischen Syndroms).

Dementsprechend empfehlen sie Lebensstilinterventionen, die den HPA-Achse-dysregulierenden Faktoren entgegenwirken, und häufig resultieren daraus erhebliche gesundheitliche Verbesserungen.

Kortikosteroide

Das Hormon Cortisol zählt zur Steroidklasse der Kortikosteroide, da seine Ausschüttung in der Nebennierenrinde erfolgt. Zwar existieren im Körper zahlreiche verwandte Kortikosteroide (im Folgenden „Steroide“ genannt), doch die wichtigsten sind Cortisol (ein Glukokortikoid) und Aldosteron, ein Mineralokortikoid, das Blutdruck, Volumen und Elektrolytbalance steuert.

Im Jahr 1946 wurde das erste synthetische Steroid (Cortison) synthetisiert. Zwei Jahre später war ausreichend Substanz produziert worden, um sie erstmals am Menschen zu testen, wobei sich zeigte, dass sie die Symptome der rheumatoiden Arthritis verbesserte (was 1950 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde), und sie wurde sofort als „Wundermedikament“ gefeiert. 

Aufgrund ihres Erfolgs bei der rheumatoiden Arthritis fanden Steroide (z. B. Prednison, Hydrocortison) schnell Anwendung bei zahlreichen entzündlichen und autoimmunen Erkrankungen, einschließlich systemischem Lupus erythematodes, entzündlichen Darmerkrankungen und Multipler Sklerose, da sie immunvermittelte Gewebeschädigungen hemmen können.

Anfang der 1950er-Jahre galten Steroide als bahnbrechende Therapie für diese Erkrankungen (und wurden daher breit eingesetzt), neue Wirkstoffe wie Prednison wurden schnell eingeführt, jedoch traten in den späten 1950er-Jahren zunehmend schwerwiegende Nebenwirkungen bei Langzeitgebrauch auf.

Dann, in den frühen 1960er-Jahren, galt die Steroidtherapie als „von der rheumatologischen Gemeinschaft vollständig gemieden“ (so stark, dass kurz darauf NSAIDs wie Ibuprofen als nichtsteroidale Antirheumatika bezeichnet wurden, um sie von den problematischen Steroiden abzugrenzen), anschließend wurden Steroide vorsichtiger und in niedrigeren Dosierungen eingesetzt, bis sie in den 1980er-Jahren im Rahmen von Niedrigdosis-Schemata wieder eingeführt wurden.

Aktuell werden Steroide weiterhin häufig verwendet, wobei ihr Einsatz im Zeitverlauf langsam angestiegen ist. So hatten beispielsweise im Jahr 2009 6,4% der Erwachsenen in den USA mindestens einmal orale Steroide im vergangenen Jahr eingenommen, gegenüber 7,7% im Jahr 2018, während eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte, dass 21,4% der Erwachsenen (18–64 Jahre) innerhalb der letzten drei Jahre mindestens eine orale Steroidverordnung erhalten hatten.

Nebenwirkungen von Steroiden

Wie zu erwarten, entsprechen die Nebenwirkungen der Einnahme von Steroiden denen eines erhöhten Cortisolspiegels, sind jedoch in vielen Fällen deutlich ausgeprägter.

Zudem treten sie relativ häufig auf (z. B. zeigte eine Studie, dass 90% der Nutzer Nebenwirkungen angeben und 55% mindestens eine davon als sehr störend bewerten). 

Ebenso ist vieles davon in der wissenschaftlichen Literatur gut belegt:

• Knochenschwund — ortikosteroide erhöhen das Risiko für Frakturen um das Doppelte (bei Wirbelkörpern noch stärker), wobei 12% der Nutzer über Frakturen berichten. Bei Standarddosen bewirken Steroide einen Knochenverlust von 5% bis 15% pro Jahr, und bei langfristiger Anwendung treten bei 37% Wirbelkörperfrakturen auf (hochdosierte Therapie erhöht das Risiko für Wirbelkörperfrakturen zusätzlich um das Fünffache).

Steroidbedingter Knochenverlust ist ein derart verbreitetes Problem, dass seine Behandlung zu den wenigen von der FDA offiziell anerkannten Indikationen für Bisphosphonate gehört (die trotz ihrer weiten Verordnung bei Knochenschwund zahlreiche schwere Nebenwirkungen aufweisen – darunter eine erhöhte Bruchanfälligkeit der Knochen). Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit einer avaskulären Nekrose bei höheren Dosen erhöht, wobei 6,7% der Nutzer hoher Steroiddosen betroffen sind.

• Gewichtszunahme — Etwa 70% der Personen, die orale Kortikosteroide langfristig (über 60 Tage) einnehmen, berichten über Gewichtszunahme. Eine Studie zeigte eine Gewichtszunahme im Bereich von 5,73 bis 12,79 Pfund pro Jahr, und eine weitere Untersuchung ergab nach zwei Jahren Steroidtherapie eine Gewichtszunahme von 4% bis 8%. Außerdem verteilt sich dieses Fett bevorzugt in Arealen wie Gesicht, Hals und Bauch.

•Nebenniereninsuffizienz — Kortikosteroide senken die Fähigkeit der Nebennieren zur endogenen Cortisolproduktion (was potenziell lebensbedrohlich sein kann). Dies ist ein großes Problem, dessen Häufigkeit mit der Therapiedauer und systemischen Verabreichungsformen steigt (z. B. 48,7% der Patienten unter oraler Anwendung).

• Diabetes — Eine systematische Übersichtsarbeit fand, dass Personen unter systemischen Kortikosteroiden 2,6-mal wahrscheinlicher eine Hyperglykämie entwickeln (1,8% der stationär mit Steroiden behandelten Patienten entwickelten danach Diabetes).

Entsprechend war bei Patienten mit mindestens einer Anwendung systemischer Kortikosteroide das Risiko für die Entwicklung von Diabetes um das 1,85-Fache erhöht. Schließlich zeigte eine Metaanalyse, dass bei Patienten ohne vorbestehenden Diabetes eine einmonatige oder längere Steroidtherapie in 32% der Fälle zu Hyperglykämie und in 19% zu Diabetes mellitus führte.

• Kardiovaskulär — Hohe Steroiddosen wurden mit einem Anstieg von Herzinfarkten um 226%, Herzinsuffizienz um 272% und Schlaganfällen um 73% in Verbindung gebracht.

• Augen - Steroide wurden mit einer Erhöhung des Kataraktrisikos um 245% bis 311% in Verbindung gebracht (15% der Nutzer berichten darüber) sowie mit einem um 41% erhöhten Risiko für okuläre Hypertonie oder Offenwinkelglaukom.

• Magen-Darm-Trakt — Steroide werden mit verschiedenen gastrointestinalen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht (z. B. Übelkeit und Erbrechen) und steigern das Risiko für gastrointestinale Blutungen oder Perforationen um 40%.

• Psychiatrisch — Bei 1,3% bis 18,4% der Steroidnutzer treten psychiatrische Reaktionen auf (mit dosisabhängiger Zunahme), wobei rund 5,7% schwere Verläufe entwickeln. Zusätzlich gaben 61% der Patienten unter Steroidtherapie Schlafstörungen an, und Steroide können gelegentlich auch Psychosen verursachen.

• Infektionen — Steroide erhöhen zudem das Risiko für Infektionen. So zeigte sich, dass Nutzer inhalativer Steroide mit 20% höherer Wahrscheinlichkeit an Tuberkulose erkranken, wobei das Risiko bei höheren Dosierungen sowie bei Asthma- oder COPD-Patienten zunimmt. Ebenso waren Patienten, die Steroide erhielten, 20% häufiger von Sepsis betroffen (möglicherweise, da frühe Symptome einer Infektion durch Steroide verschleiert werden).

• Haut - Eine längere lokale Anwendung von Steroiden ist ebenfalls häufig mit Hautproblemen verbunden (z. B. kommt es bei bis zu 5% nach einem Jahr zu Hautatrophie).

Abschließend gilt, dass einige Steroide wesentlich potenter sind als andere, und insbesondere diejenigen mit längerer Verweildauer im Körper (z. B. Dexamethason) eher systemische Effekte wie eine HPA-Achsen-Dysfunktion auslösen.

Verwendung von Steroiden

Die toxischen Effekte von Steroiden nehmen deutlich zu bei prolongierter Anwendung und bei systemisch wirksamen Applikationswegen (z. B. oral). Daher vertreten viele die Ansicht, dass sie auf lebensbedrohliche Notfälle beschränkt bleiben sollten (wobei die häufigen Nebenwirkungen als vertretbarer Kompromiss angesehen werden) und bei langfristiger Anwendung ausschließlich in Formen mit möglichst geringer systemischer Aufnahme verwendet werden sollten (z. B. topisch).

• Inhalative Steroide — Inhalative Steroide werden regelmäßig zur Behandlung von Asthma und COPD verwendet. Aufgrund der im Vergleich zu oralen Steroiden geringeren systemischen Aufnahme inhalativer Steroide sind systemische Nebenwirkungen seltener, treten jedoch bei längerer Anwendung höherer Dosen dennoch auf.

Während inhalative Steroide (sowie andere bei diesen respiratorischen Erkrankungen häufig verordnete Medikamente) wirksam sein können und oft die einzige Behandlungsoption für Patienten darstellen, erscheinen in den meisten Fällen natürliche Therapieansätze, welche die Erkrankung direkt adressieren, vorzugswürdig. Beispielsweise wird COPD als eine progressive, nicht heilbare Erkrankung betrachtet, die sich durch aktuelle Behandlungsoptionen lediglich verzögern oder teilweise abmildern lässt.

Im Gegensatz dazu kann vernebeltes Glutathion, wenn es zur Wiederauffüllung der protektiven Auskleidung der Lunge eingesetzt wird, das Fortschreiten der Erkrankung stoppen und geschieht im Unterschied zu Steroiden ohne Nebenwirkungen. Ebenso existieren zahlreiche natürliche Therapien für Asthma.

• Topische Steroide — Topische Steroide kommen standardmäßig bei Hautproblemen zum Einsatz und werden teilweise auch in anderen Indikationen verwendet, z. B. bei bestimmten Augenerkrankungen wie der Prävention einer Transplantatabstoßung nach einer erforderlichen Hornhauttransplantation. In diesen Situationen treten systemische Nebenwirkungen selten auf, während lokale Effekte meist durch prolongierte Anwendung bedingt sind (z. B. Hautveränderungen oder Hautverdünnung – vor allem im Gesicht).

Aus diesem Grund behandle ich Hautprobleme aufgrund der möglichen Nachteile einer Symptomunterdrückung in der Regel mit natürlichen Therapien wie DMSO oder durch die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursache der Hauterkrankung.

• Injizierbare Steroide — Bei starken Gelenkschmerzen werden Steroide häufig intraartikulär injiziert, um die Schmerzsymptomatik zu verbessern. Dieser Ansatz weist drei Hauptprobleme auf.

◦ Erstens kommt es zu einer gewissen systemischen Resorption, sodass viele der zuvor genannten Nebenwirkungen auch nach Steroidinjektionen auftreten können (z. B. über eine Woche hinweg erhöhter Blutzucker).

◦ Zweitens bleibt das injizierte Steroid, sofern es nicht wasserlöslich ist (was auf die meisten zutrifft), oft im Gelenk zurück (z. B. lassen sich bei arthroskopischer Untersuchung häufig zuvor injizierte Steroide im Gelenk nachweisen).

◦ Drittens beeinträchtigen Steroide die Stabilität und Struktur des Bindegewebes (z. B. der ligamentären Strukturen eines Gelenks).

a Arthritis oft dadurch entsteht, dass geschwächte Bänder das Gelenk nicht mehr korrekt stabilisieren (wodurch es sich bei Bewegung selbst abnutzt), kommt es zu einer kurzfristigen Besserung durch Steroide, gefolgt von einer Verschlechterung der Grunderkrankung, die häufig letztlich eine Operation erforderlich macht – ein häufiges Szenario bei Kniegelenkersatz und besonders ungünstig bei Wirbelsäulenfusionen.

Notiz: Aus diesem Grund erfolgt die Behandlung von Gelenkschmerzen entweder durch eine Stärkung der Bandstrukturen des Gelenks (was beispielsweise häufig spinalen Schmerz beseitigt) oder durch natürliche Therapieansätze, die Entzündung und Schmerz lindern, ohne die Bänder zu beeinträchtigen (z. B. DMSO).

Abschließend sollte beachtet werden, dass viele, möglicherweise sogar die Mehrheit, der Gelenkprobleme entzündlich bedingt sind (z. B. bestehen bei vielen Patienten unerkannte seronegative Spondyloarthropathien, die sich in Standarduntersuchungen oft nicht zeigen).

Einerseits wird dadurch deutlich, weshalb sowohl konventionelle als auch natürliche Therapien zur Reduktion von Entzündungen bei vielen verschiedenen Gelenkbeschwerden hilfreich sein können. Andererseits hilft dies auch zu erklären, warum die Häufigkeit von Arthritis mit zunehmendem Alter steigt, da sich Entzündung und Stoffwechselgesundheit im Alter verschlechtern.

• Intravenöse Steroide — Bei bestimmten schwerwiegenden Erkrankungen zeigen Steroide eine positive Wirkung, weshalb intravenöse Steroide regelmäßig an bestimmte Patienten im Krankenhaus verabreicht werden. In diesen Fällen, insbesondere mit den verfügbaren Behandlungsoptionen für hospitalisierte Patienten, ist dies häufig notwendig und rettet Leben. Gleichzeitig sollte jedoch berücksichtigt werden, dass dieser Ansatz mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein kann.

• Orale Steroide — Orale Steroide werden zur Behandlung einer breiten Palette von Erkrankungen eingesetzt, was bedauerlicherweise problematisch ist, da sie auch die meisten Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufigsten Einsatzbereichen gehören:

◦ Schwere Fälle chronischer Lungenerkrankungen (z. B. Asthma oder COPD).

◦ Allergische Reaktionen unterschiedlicher Schweregrade.

◦ Verschiedene rheumatologische Erkrankungen und viele weitere Autoimmunerkrankungen wie entzündliche Darmerkrankungen und bestimmte Bluterkrankungen.

◦ Prävention der Abstoßung transplantierter Organe.

◦ Der Ersatz von Hormonen, die von den Nebennieren nicht mehr produziert werden.

◦Bestimmte Hauterkrankungen.

◦ Bei Bandscheibenvorfällen sowie weiteren akuten muskuloskelettalen Problemen wie Gicht, Bursitis oder Tendinitis, die auf NSAR nicht ansprechen, oder zur Schmerzlinderung und Reduzierung von Schwellungen nach einer akuten Verletzung.

Während einige dieser Anwendungen gerechtfertigt sind, lässt sich ein überzeugendes Argument dafür machen, dass viele andere mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.

Alternativen zu Steroiden

Ein wesentliches Problem bei Steroiden ist, dass sie zwar eine immunsuppressive Wirkung entfalten (die teilweise notwendig ist), jedoch zu breit wirken und infolgedessen in den meisten Krankheitsbildern zahlreiche unerwünschte Effekte hervorrufen.

Aus diesem Grund wurden im Laufe der Jahre verschiedene Ansätze verfolgt, um alternative Wege zur Immunsuppression zu finden.

Ein Beispiel hierfür ist Anthony Fauci, der in der Rheumatologie als einflussreiche Persönlichkeit gilt, da er kurz nach seinem Eintritt in die NIH im Jahr 1968 erkannte, dass Chemotherapeutika (die in Standarddosen weiße Blutkörperchen zerstören) bei niedriger Dosierung zur Unterdrückung gefährlicher Autoimmunreaktionen verwendet werden können. Dieser Ansatz war erfolgreich, und Cyclophosphamid trug dazu bei, dass einige ehemals terminale Erkrankungen in ein gut kontrollierbares Stadium überführt werden konnten.

Zahlreiche dieser Wirkstoffe waren alles andere als sicher (beispielsweise ist Cyclophosphamid häufig mit der Entstehung von Krebs assoziiert), jedoch stellten sie im Vergleich zu den zuvor bestehenden Behandlungsmöglichkeiten einen Durchbruch dar; entsprechend galten immunsuppressive Therapien mit den damit verbundenen Konsequenzen (z. B. gehäufte und atypische Infektionen) als vertretbar und fanden breite Anwendung.

Seither sind zahlreiche weniger toxische, jedoch effektive rheumatologische Wirkstoffe entwickelt worden, die zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose bei Autoimmunerkrankungen beigetragen haben (aufgeführt hier). Leider hat die in der Medizin oft verzögerte Übernahme neuer Therapieformen zur Folge, dass viele der neueren Wirkstoffe nur selten Anwendung finden und stattdessen weiterhin wesentlich toxischere immunsuppressive Medikamente wie Steroide als Standardtherapie verwendet werden.

Gleichzeitig wurden über die Jahre hinweg zahlreiche natürliche Therapieansätze identifiziert, die oftmals eine effektive Behandlung vieler Autoimmunerkrankungen erlauben (oder zumindest eine ausreichende Besserung erzielen, sodass geringere und weniger toxische Dosen immunsuppressiver Medikamente ausreichen). Ebenso wurden für viele der weiteren Erkrankungen, die mit Steroiden „behandelt“ werden, deutlich sicherere natürliche Alternativen gefunden (z. B. DMSO bei muskuloskelettalen Schmerzen und Verletzungen).

Hinweis: Verschiedene Faktoren, auf die direkt Einfluss genommen werden kann (z. B. Bewegung, Sonnenlichtexposition, Ernährung und Stress), können Autoimmunerkrankungen maßgeblich verbessern und den Bedarf an kostenintensiven Therapien senken.

Fazit

Das Vorliegen einer Autoimmunerkrankung führt häufig dazu, dass Patientinnen und Patienten eine Therapie in Anspruch nehmen müssen, von der bekannt ist, dass sie mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein kann. Zwar sind Medikamente wie Steroide in einigen Fällen erforderlich, jedoch gibt es in den meisten Situationen deutlich weniger toxische Behandlungsoptionen, die ein langes und erfülltes Leben ermöglichen können.

Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund der zunehmenden Umweltbelastung und der mangelnden Berücksichtigung der Ursachen von Autoimmunität derzeit ein jährlicher Anstieg der Rate dieser lebensverändernden Erkrankungen von 3% bis 12% beobachtet wird.

Über einen langen Zeitraum wurden diese nachteiligen Kompromisse in Kauf genommen, da das medizinische System Anreize für ertragreiche pharmazeutische Behandlungen setzt, unabhängig von deren Toxizität, während natürliche Therapieformen weniger Beachtung finden. Im Zuge der MAHA-Bewegung, die derzeit eine Veränderung im Gesundheitswesen vorantreibt, ergibt sich erstmals die Gelegenheit, diese problematische Dynamik zu überdenken und verstärkt nach effektiven Ansätzen für chronische Erkrankungen zu suchen, statt sich auf möglicherweise überholte Methoden zu stützen.

Eine Anmerkung von Dr. Mercola über den Autor

A Midwestern Doctor (AMD) ist ein in den USA (Midwest) staatlich zertifizierter Facharzt und langjähriger Leser von Mercola.com. Ich schätze die außergewöhnliche Einsicht von AMD in ein breites Spektrum an Themen und bin dankbar, sie zu teilen. Ich respektiere auch das Anliegen von AMD, anonym zu bleiben, da AMD weiterhin an vorderster Front in der Patientenversorgung tätig ist. Für weitere Arbeiten von AMD lohnt sich ein Besuch von The Forgotten Side of Medicine auf Substack.


🔍Quellen und Referenzen