📝 Die Geschichte im Überblick

  • Zahnfleischbluten, Schmerzen oder Schwellungen können auf ernsthafte Gesundheitsprobleme hinweisen, wie Herzleiden, Depressionen oder Diabetes, selbst bevor weitere Symptome sichtbar werden.
  • Eine Untersuchung von mehr als 500.000 Personen zeigte, dass Menschen mit schmerzenden Zahnfleischstellen ein 54% höheres Risiko für das Vorhandensein mehrerer chronischer Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Angststörungen und alkoholbedingten Leiden hatten.
  • Schmerz ist der stärkste Indikator für schlechte Gesundheit, weshalb es entscheidend ist, Zahnfleischbeschwerden ernst zu nehmen und nicht einfach zu ignorieren.
  • Forschungen zufolge können krankmachende Bakterien aus dem Mund durch entzündetes Zahnfleisch in die Blutbahn gelangen und Entzündungen in entfernten Organen wie Gehirn, Herz und Lunge hervorrufen.
  • Die rechtzeitige Bekämpfung von Zahnfleischproblemen durch Entzündungshemmung, angepasste Ernährung und eine verbesserte Zahnpflege kann dir helfen, das Risiko für ernsthafte gesundheitliche Langzeitfolgen zu reduzieren.

🩺Von Dr. Mercola

Deine Mundgesundheit zeigt oft, wie es um deinen Körper steht. Wenn dein Zahnfleisch häufig schmerzt, geschwollen ist oder blutet, solltest du aufmerksam sein – das könnte ein Warnsignal sein, dass dein Körper auf mehreren Ebenen unter Stress steht. Tatsächlich ist Zahnfleischerkrankung, auch Parodontitis genannt, ein starkes Anzeichen dafür, dass du nicht nur mit ein oder zwei, sondern mit mehreren gesundheitlichen Problemen kämpfst.

Deine Zahnfleischschmerzen könnten ein Warnsignal für versteckte chronische Erkrankungen sein

Eine aktuelle Studie, vorgestellt beim EuroPerio11 der European Federation of Periodontology (EFP), dem weltweit führenden Kongress für Parodontologie und Implantologie, beschäftigte sich mit dem Zusammenhang zwischen Zahnfleischerkrankungen und Multimorbidität. Ihre Ergebnisse waren sowohl überraschend als auch alarmierend.

• Was versteht man unter Multimorbidität? Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass jemand zwei oder mehr chronische Gesundheitsprobleme hat, erfasst durch Selbstberichte und ICD-10-Codes, einem System zur Einordnung und Codierung von Diagnosen und medizinischen Maßnahmen.

• Die Forscher nutzten Daten der UK Biobank — Dies ist eine der umfassendsten Gesundheitsdatenbanken der Welt. Für ihre Analyse werteten die Wissenschaftler Daten von 500.612 Personen aus und prüften den Zustand des Zahnfleisches anhand von Anzeichen wie Blutungen, Schmerzen und fehlenden Zähnen.

• Die Ergebnisse fielen deutlich aus — Nach Angaben der Forschenden litten 57% der Teilnehmenden an mindestens zwei chronischen Erkrankungen, und 18% berichteten von Symptomen einer Entzündung des Zahnfleischs. Unter den Personen mit Anzeichen einer Zahnfleischerkrankung stieg die Wahrscheinlichkeit, der multimorbiden Gruppe zugeordnet zu werden, um 15%.

• Schmerzen waren der häufigste Prädiktor für Multimorbidität — Den Ergebnissen zufolge berichteten 54% der Teilnehmenden über schmerzendes Zahnfleisch, während 12% lockere Zähne angaben und 11% Zahnfleischbluten erlebten. Für medizinisches Fachpersonal verdeutlicht dies, wie wichtig es ist, Schmerzangaben ernst zu nehmen und Anliegen von Patientinnen und Patienten nicht leichtfertig zu relativieren.

• Es geht nicht nur um zu viele pathogene Bakterien im Mund — Wenn dein Zahnfleisch regelmäßig schmerzt, kämpft dein Körper möglicherweise nicht nur gegen Mundbakterien, sondern auch gegen eine zugrunde liegende systemische Entzündung, die dein Herz, dein Gehirn und weitere Organe beeinflusst. Nach Angaben von Dr. Nisachon Siripaiboonpong, der leitenden Autorin der Studie:

„Da die Menschen länger leben, haben viele mit mehr als einer chronischen Erkrankung zu tun, von Diabetes über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Depressionen. Doch wir übersehen oft den Mund – sowohl als Teil des Problems … als auch als Teil der Lösung.“

Zahnfleischerkrankungen betreffen nicht nur das Erscheinungsbild

Auch wenn die vorgestellte Studie keinen kausalen Zusammenhang nachweist, liefert sie groß angelegte Belege dafür, dass die Zahnfleischgesundheit mit der allgemeinen Gesundheit verknüpft ist, und unterstreicht etwas, das viele übersehen — leichte Zahnfleischbeschwerden sind nicht nur kosmetischer Natur. Es könnte Teil eines größeren Netzwerks von Funktionsstörungen sein, die ernsthafte Aufmerksamkeit verdient.

• Zahnfleischerkrankungen beginnen mit schlechter Mundgesundheit — Wenn du deine Mundhygiene vernachlässigst, zum Beispiel nicht regelmäßig putzt oder Zahnseide verwendest, bildet sich Plaque. Dabei handelt es sich um den klebrigen Belag, der entsteht, wenn sich die Bakterien in deinem Mund auf deinen Zähnen ansammeln. Wenn Plaque über einen längeren Zeitraum auf deinen Zähnen bleibt, beginnt sie, deinen Zahnschmelz zu zerstören und deine Zähne zu schwächen. Plaque bereitet zudem den Boden für Karies und führt zu einer entzündlichen Erkrankung, die als Gingivitis bezeichnet wird.

• Gingivitis unbehandelt zu lassen, hat gravierende Konsequenzen — Ginfivitis verursacht Zahnfleischbluten und kann sich zu einer Parodontitis entwickeln. Diese schwerwiegendere Infektion bedeutet, dass sich Plaque unter den Zahnfleischrand ausgebreitet hat. Die Bakterien setzen daraufhin Toxine frei, welche das Zahnfleischgewebe schädigen und eine Entzündungsreaktion triggern.

• Wenn die Erkrankung voranschreitet, trennt sich das Zahnfleisch von den Zähnen — Das Wachstum von Bakterien in den entstehenden Taschen zerstört zusätzliches Zahnfleischgewebe sowie den Knochen, der die Zähne stützt. Letztendlich lockern sich deine Zähne und fallen aus.

• Zahnfleischerkrankungen stellen heute ein zunehmendes Gesundheitsproblem dar, besonders in den USA — Laut einer Untersuchung im Journal of the American Dental Association sind 42,2% der Erwachsenen ab 30 Jahren von Parodontitis betroffen; 7,8% davon leiden an schwerer, 34,4% an leichter bis moderater Parodontitis. Es handelt sich um eine stille Erkrankung — Viele Menschen sind sich dessen nicht bewusst und zeigen erst Symptome, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist.

Siripaiboonpong unterstreicht, wie wichtig ihre Studie ist und welche Erkenntnisse Gesundheitsexperten und die Öffentlichkeit daraus mitnehmen müssen, und erklärt:

„Die Pflege des Zahnfleischs dient nicht nur dem Erhalt der Zähne, sondern schützt zugleich die Gesundheit des gesamten Körpers. Durch Prävention oder gezieltes Management von Zahnfleischerkrankungen lässt sich das Risiko für multiple Langzeiterkrankungen reduzieren und die Lebensqualität erhöhen.“

Wie genau beeinflusst dein Mund den Rest deines Körpers?

Wenn mehrere Systeme in deinem Körper belastet sind — emotional, hormonell, im Verdauungstrakt oder im Immunsystem — zeigt sich oft zuerst eine Schwäche in deinem Zahnfleisch. Warum? Weil das Zahnfleischgewebe sich schnell regeneriert und ständig bakteriellen Belastungen ausgesetzt ist. Das macht sie gleichzeitig anfällig und wertvoll als Frühwarnsystem. Forschungen zeigen, dass die Mundgesundheit auf zwei wesentliche Arten das allgemeine Wohlbefinden beeinflusst:

• Erstens: Wenn dein Zahnfleisch entzündet ist, können schädliche Bakterien in den tiefen Zahnfleischtaschen gedeihen — Diese Taschen beherbergen Milliarden pathogener Bakterien, die entzündungsfördernde Toxine freisetzen und dein Immunsystem auf schädliche Weise aktivieren.

• Die schädlichen Bakterien in deinen Zahnfleischtaschen gelangen in deinen Blutkreislauf — Dadurch können Toxine und entzündungsfördernde Substanzen sich in deinem Körper verteilen und Krankheiten auslösen. Laut einem Artikel in Open Access Government:

„Es besteht eine zunehmende Verbindung zwischen parodontalen Entzündungen und systemischen Erkrankungen, vermutlich bedingt durch die Verbreitung von Mundbakterien und Entzündungsstoffen über das Blut, die entfernte Organe wie Herz, Lunge oder Gehirn beeinträchtigen können.“

• Frühere Forschung bestätigt, dass orale Bakterien in dein Gehirn gelangen und Alzheimer auslösen können — Um zu belegen, wie schlechte Mundgesundheit andere Körperbereiche beeinflusst, fand eine Studie von 2023 heraus, dass schädliche Mundbakterien in dein Gehirn gelangen und die mit Alzheimer assoziierten Proteine erhöhen.

Eine weitere Studie zeigt, wie Parodontitis dazu führt, dass dein Hippocampus schrumpft — ein typisches Anzeichen für Alzheimer.

• Ein weiterer Beweis für den Zusammenhang — orale Pathogene wurden in den Arterien lokalisiert —Frühere Forschungen zeigen, dass die DNA bestimmter oraler Bakterien, darunter Porphyromonas gingivalis, Treponema denticola und Tannerella forsythia, in atherosklerotischen Plaques vorkommt, die Arterien blockieren.

• Zweitens: Zahnfleischerkrankungen als auch andere chronische Leiden haben gemeinsame Risikofaktoren — Sowohl Stress, mangelhafte Ernährung und sozioökonomische Benachteiligung gehören dazu. Die Forschenden untersuchten zudem Zusammenhänge zwischen schlechter Mundgesundheit und spezifischen Problemen wie alkoholbedingten Störungen, Angstzuständen und Depressionen. Dies unterstreicht das komplexe Zusammenspiel zwischen deiner Mundgesundheit, deiner psychischen Gesundheit und deinem Lebensstil.

Es ist nicht nötig, dass du auf eine offizielle Diagnose wartest, um Maßnahmen zu ergreifen. Wenn dein Zahnfleisch regelmäßig wund oder schmerzhaft ist, ist das ein Zeichen, dass du darauf achten solltest. Nicht nur um deiner Zähne zuliebe, sondern auch um deines Gehirns, deines Stoffwechsels, deiner Stimmung und deiner Zukunft willen.

Gute Mundgesundheit ist entscheidend, um chronische Erkrankungen vorzubeugen

Die gute Nachricht ist, dass es nie zu spät ist, deine Gesundheit zu verbessern – und es beginnt damit, dass du deine Mundgesundheitsroutine entscheidend änderst. Selbst die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bestätigen, dass Gingivitis rückgängig gemacht werden kann und schwere Parodontitis mit professioneller Unterstützung behandelt und verlangsamt werden kann.

• Denk daran, täglich Zähne zu putzen und Zahnseide zu verwenden — Regelmäßiges Putzen (mit fluoridfreier Zahnpasta), die Nutzung von Zahnseide und das Reinigen der Zunge helfen dir, deine Zähne und dein Zahnfleisch gesund zu halten.

• Wie oft solltest du am Tag deine Zähne putzen? Die American Dental Association (ADA) empfiehlt, zweimal täglich mit einer weichen Zahnbürste zu putzen. Nach einer Mahlzeit solltest du jedoch nicht sofort deine Zähne putzen, sondern etwa 30 Minuten warten, bevor du bürstest.

• Bewahre deine Zahnbürste richtig auf, um das Wachstum von Bakterien zu verhindern — Stelle sie idealerweise aufrecht und frei an die Luft, damit sie vollständig trocknen kann. Achte darauf, deine Zahnbürste alle drei bis vier Monate auszutauschen.

• Die ADA empfiehlt, mindestens einmal täglich Zahnseide zu benutzen — So erreichst du Stellen im Mund, welche die Borsten deiner Zahnbürste nicht erreichen können. Du kannst Zahnseide sowohl vor als auch nach dem Zähneputzen benutzen, morgens wie abends — du hast die Wahl. Verwende Zahnseide, die frei von toxischen Chemikalien wie Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) und Fluorid ist.

• Runde deine Mundhygiene mit Ölziehen ab — Das bedeutet, den Mund mit Öl zu spülen und durchzuspülen. Ich empfehle hierfür Kokosöl. In der traditionellen indischen Volksmedizin wurde Ölziehen verwendet, um Zahnverfall, Mundgeruch und Zahnfleischbluten entgegenzuwirken und Zähne sowie Zahnfleisch zu kräftigen.

Darüber hinaus ist ein gesunder Lebensstil entscheidend, der auf einer Ernährung aus frischen, natürlichen Lebensmitteln basiert, um den Mund von Natur aus sauber zu halten. Vermeide stark verarbeitete Lebensmittel, raffinierten Zucker und verarbeitete Kohlenhydrate, da sie Entzündungen auslösen, die deine Mundgesundheit verschlechtern und deinen Körper zusätzlich belasten.

Einige Nährstoffe können ebenfalls helfen, Zahnfleischerkrankungen und die damit verbundenen Beschwerden zu lindern. Eine Studie der University of Washington zeigte zum Beispiel, dass blutendes Zahnfleisch auf einen Vitamin-C-Mangel hindeuten kann. Ein Vitamin-D-Mangel ist auch mit einem höheren Risiko für Zahnfleischerkrankungen verbunden.

Häufig gestellte Fragen (FAQs) zu Zahnfleischerkrankungen und dem Risiko chronischer Erkrankungen

F: Welche Verbindung besteht zwischen Zahnfleischerkrankungen und chronischen Erkrankungen?

A: Zahnfleischerkrankungen lösen Entzündungen im Zahnfleisch aus, die es schädlichen Bakterien ermöglichen, in den Blutkreislauf zu gelangen. Durch die Ausbreitung dieser Bakterien auf andere Organe steigt das Risiko für schwerwiegende gesundheitliche Probleme wie Herzkrankheiten, Diabetes und Erkrankungen des Gehirns.

F: Welche Warnzeichen sind am wichtigsten, auf die man achten sollte?

A: Schmerzendes Zahnfleisch ist der stärkste Hinweis auf mögliche gesundheitliche Probleme. Blutendes Zahnfleisch und lockere Zähne sind auch wichtig, aber Zahnfleischschmerzen hatten in einer Studie mit über 500.000 Personen die höchste Verbindung zu mehreren chronischen Erkrankungen.

F: Beeinflusst meine Zahnfleischerkrankung meine mentale Gesundheit?

A: Ja. Untersuchungen ergaben, dass Personen mit schlechtem Zahnfleisch häufiger an Depression, Angst und alkoholbedingten Erkrankungen leiden. Die durch Zahnfleischinfektionen verursachten Entzündungen können die chemischen Abläufe im Gehirn und die Kontrolle über Emotionen stören.

F: Weshalb deuten Zahnfleischerkrankungen auf ernsthafte gesundheitliche Probleme hin?

A: Da Zahnfleischgewebe sich rasch erneuert und fortlaufend bakteriellen Herausforderungen ausgesetzt ist, kann es als frühzeitiger Indikator für Stress oder Entzündungen im Körper dienen. Wenn dein Zahnfleisch abbaut, signalisiert es oft, dass dein Immunsystem, deine Hormone oder dein Stoffwechsel unter Druck stehen.

F: Welche Organe oder Systeme leiden am meisten unter Zahnfleischentzündungen?

A: Laut der Studie dringen Bakterien aus dem Mund und entzündliche Signale bei Zahnfleischerkrankungen in den Blutstrom ein und wirken auf entfernte Organe, vor allem auf Herz, Lunge und Gehirn, was das Risiko für verschiedene chronische Krankheiten erhöht.